Unser bester Freund: die Anreise
13. Dezember 2017 | Maikl

 

Die Uhren ticken im Nahen Osten eindeutig anders. Saßen wir vor anderthalb Stunden noch bei gefühlten -10° im akklimatisierten Airport Bus in Abu Dhabi, schlug uns die Hitze bei der Landung in Muskat bildlich ein Brett ins Gesicht. Gott sei Dank stand unser Mietauto am Flughafen zum Abholen bereit und wir konnten ins vorgekühlt Mietauto flüchten.

Wie bei jedem unserer Roadtrips war unser Anspruch ans Mietauto relativ niedrig: unkompliziert, flexibel, mit ausreichend Bodenfreiheit und 4x4. Verständnis für jegliche Körpergeräusche und –gerüche, leicht zu reinigen. Es sollte diesmal ein mächtiger Nissan Pathfinder sein, mit ausreichend Stauraum für die mitgebrachte Kletterausrüstung und unser vorprogrammiertes Chaos im Auto der nächsten Tage.

Ein großes Lebensmittelgeschäft und eine Wechselstube für den ersten Einkauf unweit vom Flughafen, hatten wir auch gleich ausfindig gemacht. Leicht übernächtig strapazierte der Akt des Geld Wechselns die Nerven von Dave und mir merklich. Anscheinend wollten genau zu diesem Zeitpunkt tausende indische Gastarbeiter ihr Geld nach Hause transferieren und die Wechselstube war voll wie Überland-Busse in New Delhi. Auch die Auswahl an Lebensmittel überforderte uns merklich. Obst, Gemüse und Gewürze soweit das Auge reichte. Gefühlt 10.000 verschiedene Dattel-Sorten und unzählige Säcke Reis.

Die Müdigkeit durch die lange Anreise und die brennende Hitze zwang uns zu einem ungeplanten Abstecher zum Strand. Ein kleines Bad im Meer und ein erholsames Nickerchen im spärlichen Schatten mitten auf der Strand-Promenade später, konnte es am frühen Nachmittag endlich Richtung Wadi Banf Awf gehen.

Wadi Banf Awf
Faszinierende Landschaft

Mächtige Täler taten sich vor uns auf und wir konnten zum ersten Mal die faszinierende Landschaft Omans auf uns wirken lassen. Hohe zerklüftete Gebirgsketten, immer wieder kleine saftig-grüne Oasen und eine schmale unbefestigte Straße schlängelte sich an den Hängen der Berge hinauf. Die Straße führte uns immer wieder durch ausgetrocknete Flussläufe, war bestückt mit unzähligen unübersichtliche Kurven und Kuppen. Die wenigen entgegenkommende Autos mussten gekonnt umschifft werden. Dies alles zauberte unserem Fahrer Lugo ein fettes Offroad-Lächeln ins Gesicht.

Die Felsformationen und Felsvorsprünge im Wadi ließen uns jetzt schon erahnen was uns in den nächsten Tagen erwarten wird: ein Paradies zum Klettern und Bouldern.

Da es in Oman bereits gegen 18:00 zu dämmern beginnt suchten wir in der Nähe der 2.000 Jahre alten Oase Bilad Sayt einen passenden Zelt-Platz für unsere Erste Nacht. Wie aus dem Nichts tauchte hinter einer der unzähligen Kuppen ein kleiner Kunstrasen Fußballplatz auf. Mitten im Nirgendwo, in einer Gegend wo keiner zu wohnen schien. Als wir gemütlich unsere zwei Zelte neben dem Fußballplatz aufstellten und noch versuchten alles Mögliche im Auto zu finden, gab es die erste Hiobsbotschaft.


Das Überangebot an Artikeln im Lebensmittelgeschäft hat uns wohl dermaßen überfordert, dass wir das Gas für unsere Campingkocher vergessen hatten. Frisches Fladen-Brot und Krautsalat sättigte vorerst unseren Hunger ehe es die nächste Hiobsbotschaft gab: Drei Flaschen Vodka wurden unverständlicherweise am Flughafen zurückgelassen. Der Schock vom Vodka und das Essen gut Verdaut, brachte der noch junge Abend aber bereits ein unvergessliches Highlight der Reise.

Alpenbrasilianer im Oman
Fußballspielen in Oman

Am anderen Ende des Platzes trafen sich einige jung Einheimische und ließen dort bei Tee den Abend ausklingen. Als sie begannen Fußball zu spielen stiegen wir natürlich sofort ein. Obwohl es einige Verständigungsschwierigkeiten gab, wurden die Mannschaften bunt gemischt.

Kurzerhand wurden vier Jeeps schnell an den 4 Ecken des Feldes geparkt und als improvisiertes Flutlicht umfunktioniert. Als wir dann den Ball, welchen Dave in das Tor geknallt hatte (in dem sich aber leider kein Netz befand) wieder gefunden hatten, konnte es losgehen. Alle spielten mit vollem Einsatz und spielten Hacke-Spitze 1 2 3, ein unglaubliches Niveau. Die teilweise rustikale Spielweise alla Gattuso und meine berüchtigte Blutgrätsche ließen auch einige Brandwunden auf meinen Knien zurück und obwohl niemand wusste wer mit wem spielt oder ob "Chamenan" jetzt nun Eckball, Du, Freistoß, meiner oder Aus bedeutet, war es ein unglaublich amüsantes Erlebnis.

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